BEHRANG KARIMI ∙ HUBERT KIECOL ∙ URSULA SCHULZ-DORNBURG
(Kuratiert von Martin Germann)
Sonntag, 25. Oktober 2026, 12 – 18 Uhr
Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung unserer neuen Ausstellungen ein.
Haus Mödrath freut sich ein neues Format ankündigen zu können, in dem je eine Etage durch eine Einzelausstellung bespielt wird. Die erste Ausgabe der dialogisch angelegten Präsentationen ist drei im Rheinland ansässigen künstlerischen Positionen gewidmet, Ursula Schulz-Dornburg (*1938), Hubert Kiecol (*1950) und Behrang Karimi (*1980), deren Werke in eine Auseinandersetzung mit der Örtlichkeit und dessen Umgebung gehen.
Über die drei Medien, Generationen und Zugänge hinweg liegt eine übergreifende Frage zugrunde: Wie entsteht eine Form, die älter wirkt als ihre Entstehung? Schon der Ort antwortet auf diese Frage mit seiner eigenen Historie. Das klassizistische, ab ca. 1830 gebaute Herrenhaus, hat in seiner turbulenten Geschichte mehrfach die Identität gewechselt, so etwa durch die Nutzung als nationalsozialistische Ausbildungsstätte während des Zweiten Weltkrieges, danach aber auch als Kinderheim. Heute steht es in einer Landschaft ohne Dorf, wurde der Ort Mödrath ab 1956 durch den unterdessen wieder aufgegebenen Braunkohletagebau Frechen umgesiedelt. Das einzig verbliebene Haus hat seinen Ort verloren und ist selbst zur Urform geworden, auf deren konkrete wie metaphorische Erscheinung sich die Künstler/innen beziehen.
Hubert Kiecol nimmt das Haus mitsamt dessen räumlicher Bedingungen von Licht, Fülle, Leere und Materialität als Ausgangspunkt für eine präzise Auswahl aus seinem bisherigen bildhauerischen Werk. Ab den 1970er Jahren destilliert er Momente des Archaischen in Resonanz mit der uns umgebenden Architektur und ihrer Grundformen: Häuser, Treppen, Fenster, Passagen, angedeutetes Mobiliar – Zeichen von Behausung und „in der Welt sein“ entleeren sich in ihrer reduzierten Übersetzung in Objekte aus Beton, Stahl und Farbe jeder Funktion und verdichten sich in einer emotional unterlegten, materiellen Präsenz. Diese spiegelt Kiecol mit teils unveröffentlichten Werken auf Papier ebenso wie die Landschaft, in die das Haus selbst eingebettet ist.
Während des Zweiten Weltkriegs geboren, erlebte Ursula Schulz-Dornburg die Zerstörungen des Krieges und die Nachkriegsjahre. Verlust und die Spuren der Geschichte spielen in ihrem Werk eine ebenso wichtige Rolle wie der menschliche Wunsch nach Behausung und Schutz. In ihrer ersten Serie von 1969 beobachtet sie Kinder auf einem Abenteuerspielplatz in Amsterdam beim Bau ihrer Hütten. Später reist sie immer wieder nach Osten: zu Zweckbauten am Bosporus, den Ruinen von Palmyra und verlassenen sowjetischen Testarchitekturen für Atombombenabwürfe in Kasachstan. Mit nüchterner wie elegischer Bildsprache setzt sie Orte und Zeiten miteinander in Beziehung und macht, weit über die Grenzen der Fotografie hinausgehend, das „Vertikale in der Zeit“ sichtbar. Der Bogen der Ausstellung endet bei den Höhlen an der heutigen georgisch-aserbaidschanischen Grenze, deren erste Kammern frühchristliche Mönche im 6. Jahrhundert in die Felslandschaft schlugen.
Behrang Karimi entwickelt für das Dachgeschoss von Haus Mödrath, den dem Himmel nächsten Raum des Hauses, eine intime Installation aus eigenen Gemälden, vorgefundenem Material, Elementen der Architektur und Klang. In seinen Malereien erscheinen Durchgänge, Fenster und Figuren, die in der Schwebe verharren und in der Zeit zu versinken scheinen. Ein persönlicher Faden führt zum Schiras-Festival, das Karimis Vater mehrfach besuchte und bei dem 1972 auch der in Haus Mödrath geborene Karlheinz Stockhausen auftrat. Was in Persepolis möglich schien – ein kosmopolitischer Austausch zwischen Künstlern unterschiedlicher Herkunft und Disziplinen –, kehrt hier als Erinnerung zurück und öffnet zugleich als zukünftige Möglichkeit den Raum.
Biografien:
Ursula Schulz-Dornburg (*1938 in Berlin) lebt seit 1969 in Düsseldorf. Nach einem Studium der Ethnologie, Fotografie und des Bildjournalismus in München entwickelte sie autodidaktisch eine eigenständige fotografische Bildsprache, die eng mit dem Reisen verbunden ist. In Armenien, Kasachstan, Syrien und im Irak ebenso wie in China, Myanmar, Laos und Indonesien untersucht sie Landschaften und Orte im Wandel. Ihr kulturhistorisches Interesse gilt dabei den Spuren menschlicher Nutzung, politischen Umbrüchen und dem Umgang mit natürlichen Ressourcen. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der Tate Modern, im British Museum, im Städel Museum und im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf gezeigt. 2016 erhielt sie den AIMIA | AGO Photography Prize in Kanada, 2025 wurde sie mit dem Bernd-und-Hilla-Becher-Preis geehrt. Ab 2020 wurde ihr Archiv an das Getty Museum in Los Angeles übertragen, wo ihr 2028 eine umfassende Retrospektive gewidmet wird.
Hubert Kiecol (*1950 in Bremen-Blumenthal) lebt und arbeitet in Köln. Er studierte an der Werkkunstschule und der Hochschule für bildende Künste in Hamburg; von 1993 bis 2016 lehrte er an der Kunstakademie Düsseldorf. In seinen Skulpturen und Arbeiten auf Papier verdichtet er vertraute Architekturformen wie Häuser, Treppen und Tore zu einfachen, präzisen Strukturen. Bekannt wurde er mit Arbeiten aus Beton, in denen Maßstab, Material und Raum in ein spannungsreiches Verhältnis treten. Seine Werke wurden unter anderem im Stedelijk Museum Amsterdam, Museum Haus Esters in Krefeld, im Kunstmuseum Bonn und in der Kunsthalle Wien gezeigt.
Behrang Karimi (*1980 in Schiras, Iran) lebt und arbeitet in Köln. Er studierte Malerei bei Peter Doig an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Arbeit folgt keinem festen Stil: Figuren, Gegenstände und Landschaften treten in seinen Bildern hervor, während ihre Konturen und räumlichen Beziehungen fluide bleiben. Karimi befragt die Möglichkeiten der Malerei und führt sie zugleich über das Bild hinaus: In seinen Ausstellungen treten Gemälde mit Zeichnungen, Drucken, Möbeln, Tapisserien und Klang in Beziehung. Einzelausstellungen waren unter anderem im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf sowie bei Maureen Paley in London zu sehen; 2024 nahm er an der 9. Biennale für Malerei im belgischen Museum Dhondt-Dhaenens teil.